“Ehrenamt – eine kostbare Ressource”

BZ-INTERVIEW mit Silke Marzluff vom Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung über die Bedeutungen von Bürgerengagement.

TITISEE-NEUSTADT. In einem Ensemble ein Instrument spielen oder singen, im Verein Schwimm- oder Skiunterricht geben, Senioren begleiten oder Kinder betreuen, Bäche säubern oder Tiere schützen – ehrenamtliches Engagement hat viele Gesichter. In einem mehrstündigen Workshop hat sich das Aktionsbündnis “Engagierte Stadt” in Neustadt mit dem Thema Ehrenamt beschäftigt. Mit Kursleiterin Silke Marzluff vom Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung in Freiburg hat sich Tanja Bury unterhalten.

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BZ: Was genau ist denn Ehrenamt?
Marzluff: Im ursprünglichen Sinn ist ein Ehrenamt ein Amt, für das man ernannt oder in das man gewählt wird, wie zum Beispiel Schöffen bei Gericht, Stadträte oder auch Vereinsvorstände. Mittlerweile wird Ehrenamt jedoch häufig als gleichbedeutend mit bürgerschaftlichem Engagement gemeint. Es bedeutet, sich freiwillig und in der Regel ohne Bezahlung für andere zu engagieren. Das kann die Leitung einer Theatergruppe sein, die Übernahme einer Vorstandsfunktion im Sportverein oder auch ein regelmäßiger Besuchsdienst bei älteren Menschen.

BZ: Was kann Ehrenamt alles leisten?
Marzluff: Engagement stiftet Nutzen in zwei Richtungen: Zum einen für die Person, die sich engagiert. Ganz wichtig ist es, Spaß zu haben, mit anderen Leuten in Kontakt zu sein, die Gesellschaft im Kleinen zu gestalten, eine sinnvolle Aufgabe zu haben und auch etwas dazu zu lernen. Zum anderen ist Engagement für die Gesellschaft wichtig. Es werden – Beispiel Flüchtlingsarbeit – Menschen an Stellen aktiv, wo auf staatlicher Seite keine ausreichenden Ressourcen vorhanden sind.

BZ: Wie würde unsere Gesellschaft ohne Ehrenamt aussehen?
Marzluff: Da würde viel fehlen. Ohne Ehrenamt gäbe es keine Sportvereine, keine Narrenzünfte, keine freiwillige Feuerwehr, keine Tafeln und vieles mehr, was zu einem guten Leben in einer Kommune dazugehört. Es wäre bedauerlich, wenn alle Freizeitgestaltung nur noch aus bezahlten Dienstleistungen bestehen würde, wenn Menschen sich nicht mehr zusammenschließen, um gemeinsam was zu bewegen.